Frauenarztpraxis

Dr. Volker Heinecke

Verhütung ist Vertrauenssache.

Wir sind in der glücklichen Lage über eine breite Auswahl an Verhütungsmittel zu verfügen. Dabei gibt es nicht DAS Verhütungsmittel, sondern je nach Lebensphase, individuellem Risikoprofil und persönlicher Einstellung können die "besten" Verhütungsmittel über die Jahre wechseln.

Natürliche Verhütung

Die natürliche Familienplanung kann eine sehr sichere Methode sein. Voraussetzung ist jedoch ein stabiler Zyklus und eine konsequente Disziplin.

Methode: Schleimbeobachtung in Kombination mit der Messung der Aufwachtemperatur.

Sicherheit: 0,3

Kritik: "Heroische" Disziplin ist angesagt. Trotzdem muss die Möglichkeit einer Schwangerschaft eingeplant werden.

Stillen

Durch hormonelle Besonderheiten ist die Konzeptionschance während des Stillens stark eingeschränkt. Somit kann die Stillzeit einen gewissen Schutz bieten. Die Sicherheit wird durch das Benutzen eines Kondoms erhöht. Dabei ist jedoch die Erfahrung des Anwenders zu berücksichtigen.

Methode: Stillen plus Kondomanwendung

Sicherheit: ?

Kritik: Nicht jede Frau stillt und nicht jeder Mann will ein Kondom benutzen.

Hormonfreie Verhütung I

Die Kupfer-Spirale ist die einzige hormonfreie Verhütung mit nennenswerter Sicherheit. Erwähnt seien auch die Kupfer-Kette oder Gold-Spiralen.

Methode: ambulante Einlage des IUD in die Gebärmutterhöhle

Sicherheit: 0,9

Kritik: unter Umständen starke Blutungen

Hormonfreie Verhütung I I

Es gibt auch hormonfreie, dafür aber mit chemischen Substanzen bestückte Zäpfchen, Schwämme oder Kappen, die im "richtigen" Moment in die Scheide eingebracht werden müssen und dann unter Umständen dennoch versagen. Wer dieses Experiment wagen will soll es tun, erhält von uns aber keine Empfehlung.

Methode: Zäpfchen, Schwämme, Kappen o.ä. werden in die Scheide vor dem Verkehr eingebracht und töten die Spermien ab.

Sicherheit: 5 - 10

Kritik: zu unsicher, störende Manipulation, Chemie!

Die Pille - Die Nummer 1

Die kombinierte orale Kontrazeption (Pille) ist die sicherste und einfachste Verhütung. Damit ist sie auch das beliebteste Verhütungsmittel. Verschiedene "Nebenwirkungen" geben den Pillen ein besonderes Wirkungsprofil, so dass sie neben der verhütenden Wirkung auch Einfluss auf Monatsschmerzen, Zyklusstabilität und unreine Haut haben.

Methode: tägliche Pilleneinnahme

Sicherheit: 0,1 - 0,9

Kritik: bei besonderen Risikokonstellationen ist auf den Östrogenanteil zu verzichten. Somit kann das Risiko eines thromboembolischen Ereignisses vermindert werden.

Ring und Pflaster

Ring und Pflaster sind pharmakologisch der Pille sehr ähnlich, haben nur eine unterschiedliche Applikationsweise. Gute Alternativen für alle "Vergesslichen".

Methode: wöchentliche Anwendung (Pflaster) oder monatlicher Wechsel (Ring)

Sicherheit: 0,64 - 0,96 (Ring); 0,72 - 0,9 (Pflaster)

Kritik: es gelten die gleichen Risiken wie unter der Pille

Endgültige Methode (Sterilisation)

Als Sterilisation bezeichnet man die Unterbrechung der Verbindung zwischen Eierstock und Gebärmutter.

Methode: Laparoskopie mit Durchtrennung beider Eileiter oder bei Gelegenheit am offenen Bauch (Sectio). Auch die Entfernung der Eileiter ist möglich.

Sicherheit: nicht 100%!

Kritik: endgültig, teuer und man nimmt grundsätzlich ein Operations- und Narkoserisiko auf sich.

Reine Gestagen-Präparate

Die Gestagen-Spiralen: 2 Spiralen gibt es in Deutschland auf dem Markt (3 Jahre/5 Jahre). Lokale Verhütungsmittel ohne nennenswerte systemische Auswirkungen.

Methode: ambulante Einlage des IUD in die Gebärmutterhöhle

Sicherheit: 0,16

Kritik: kein Östrogenrisiko, dafür manchmal unkontrollierbares Blutungsverhalten. IUD kann jederzeit wieder entfernt werden.

Implantat: Ebenfalls ein Gestagendepot, jedoch extern an der Innenseite des Oberarms implantiert, ist das "Stäbchen" eine Verhütung für 3 Jahre.

Methode: ambulante Einlage in lokaler Betäubung

Sicherheit: 0,05

Kritik: häufiger Schmierblutungen, ebenfalls kein Östrogenrisiko

Die Gestagen-Pille: Pillen ohne Östrogenanteil werden kontinuierlich ohne Pause genommen und sind sicher in der Anwendung. Meist bleibt die Blutung ganz aus. Sie ist ideal in der Stillzeit anzuwenden.

Methode: tägliche Pilleneinnahme ohne Pause

Sicherheit: 0,5 - 3

Kritik: kein Östrogenrisiko, dafür manchmal unkontrollierbares Blutungsverhalten.

3-Monats-Spritze: Alle drei Monate wird ein flüssiges Gestagendepot in den Muskel injiziert.

Methode: Einmal im Quartal muss man sich die Spritze "abholen".

Sicherheit: 0,3 - 0,88

Kritik: nicht jeder will alle 3 Monate eine Spritze in den Muskel. Was man hat, hat man. Bei Unverträglichkeit kann die Substanz nicht entfernt werden.

Unsinn

Der frühzeitige Abbruch des Verkehrs (Koitus interruptus) ist KEINE Form der Verhütung.

  1. Männer können nicht aufpassen und schon gar nicht auf 40 Millionen Spermien
  2. Bekanntermaßen werden die Mädels schwanger und nicht die Jungs.

Weitere Kommentare überflüssig.

Der Pearl-Index

Wie viele werden in einem Jahr schwanger?

Dieser wichtige Parameter spiegelt die Sicherheit eines Verhütungsmittels wieder. Er gibt an, wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit einem bestimmten Mittel verhüten, in diesem Zeitraum trotzdem schwanger werden. Je höher der Index, desto größer ist die Versagerquote, d.h. desto unsicherer also das Mittel. Bezugsgröße ist der Pearl-Index ohne Verhütung, der bei 85 liegt (also 85 von 100 Frauen werden ohne Verhütungsmittel innerhalb eines Jahres schwanger).

http://www.uni-frauenklinik-tuebingen.de/verhuetung.html